Die Matthäuskirche in Weitmar

Fünf Gesichter in 150 Jahren

Im Schnittpunkt von Hattinger Straße und Blumenfeldstraße in Weitmar befindet sich unsere Matthäuskirche. Das über 150-jährige in der Matthäusstraße 3 gelegene Gotteshaus ist Zeuge einer bewegten Geschichte in Stadtteil und Gemeinde. Die Planungen für den Bau begannen in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Die Bevökerung in der einstigen Bauernschaft auf dem Weitmarer Sattel stieg durch die Strukturveränderungen im Zuge der Industrialisierung mit dem Bau der großen Stahlwerke sprunghaft an. Die kleine mittelalterliche, inzwischen baufällige Sylvesterkapelle passte nicht mehr zu dem Raumbedarf der wachsenden Gemeinde, zu der die auf dem Weitmarer Sattel gelegenen Siedlungen und Bauernschaften von Weitmar-Mark im Osten über Eppendorf hinweg bis ins Hörster Holz und nach Königssteele im äußersten Westen gehörten. In nord-südlicher Richtung erstreckte sich die Gemeinde von Engelsburg (Weitmar-Nord) über Bärendorf, Brantrop und Weitmar durch das Weitmarer Holz hinunter bis zur Ruhr im Süden.

Einweihung 1868

Nach langjährigen Planungen wurde am Reformationstag 1866 der Grundstein für die "Friedenskirche", so der ursprünglich vorgesehene Name, gelegt. Am 10. Dezember 1868 konnte das neue, rund 800 Sitzplätze bereithaltende Gotteshaus als Evangelische Kirche Weitmar feierlich eingeweiht werden. Das erste Geläut im Glockenturm bestand zum Teil aus Glocken der Sylvesterkapelle.

Die Glocken

Nachdem zwei der drei ursprünglichen Glocken im ersten Weltkrieg zu Kriegszwecken abgegeben werden mussten, wurde 1921 ein neues Geläut in Auftrag gegeben. Seit Pfingsten 1922 laden drei Stahlglocken aus der Gussstahlfabrik des Bochumer Vereins mit den Namen "Glaube", "Liebe" und "Hoffnung" zu Gottesdiensten und Gebet ein. Die große Glocke "Glaube" mit einem Gewicht von 1604 kg erklingt in "cis" und trägt als Inschrift die Bibelstelle Römer 10,17 in Erinnerung an das Reformationsjubiläum, die Glocke "Liebe" (1213 kg) erklingt in "e" und ist mit Johannes 15,13 beschriftet zum Gedenken an die Opfer des Weltkriegs 1914-1918, die kleine Glocke "Hoffnung" (890 kg) mit dem Ton fis hat die Inschrift Römer 5,2 mit Bezug auf die Kirchenverfassung.

Das "zweite Gesicht"

1927 erfolgte eine umfassende Modernisierung der Kirche. Elektrisches Licht sowie eine neue Heizung wurden eingebaut, und man hat die Kirche im Stil der der damaligen Zeit ausgestaltet. Zwei monumentale, farbige Wandgemälde zeigten Jesus als Gekreuzigten und als Auferstandenen; dazu gab es zeitgemäße Ornamente im Altarbereich, darüber Kupferrot und zartes Himmelblau im Gewölbe. Die Bänke wurden weinrot angestrichen und die Emporenbrüstung wirkungsvoll bemalt und vergoldet.

Fast auf den Tag genau 17 Jahre lang hat die Weitmarer Gemeinde in dieser äußerlich prachtvollen Kirche Gottesdienst gefeiert. Innerlich war die Gemeinde innerhalb dieser Zeit über eine lange Strecke, rund 10 Jahre zerrissen - aufgespalten in die naziverbundenen „Deutschen Christen“ und in die Mitglieder der „Bekennenden Kirche“. In der Gemeinde Weitmar, die damals noch die Bezirke Eppendorf, Weitmarer Holz / Sundern und Weitmar-Mark umfasste, ging der Riss mitten durch die Gemeinde und hinterließ tiefe Gräben und Spaltungen. Die Prediger der Bekennenden Kirche erhielten zeitweise Redeverbot in der Kirche. Während die Weitmarer Kirche von den "Deutschen Christen" dominiert wurde, fand die Gemeinde der "Bekennenden Kirche" im Vereinshaus Weitmar-Mark und dem in jenen Jahren gebauten Betsaal in Eppendorf (jetzt unsere Eppendorfer Kirche In der Rohde 6) Zuflucht für Gottesdienste und Gemeindeleben.

Zerstörung im Bombenkrieg

Am Abend des 9. Oktober 1944 wurde das prächtige Gotteshaus innerhalb weniger Stunden durch eine Sprengbombe und mehrere Brandbomben, die bei einem Luftangriff auf Weitmar einen Großbrand entfachten, bis auf die Außenmauern zerstört. Fast ein Jahrzehnt lang prägten die stehengebliebenen Außenmauern der Ruine das Bild im Stadtteil. Die zerstörte Kirchenruine bedeutete eine Stunde Null für die Kirchengemeinde - mit der Herausforderung, mit nichts wieder anzufangen. Äußerlich und Innerlich stand man vor der Aufgabe, das zu tun, was die vom Krieg gezeichnete die vom Krieg gezeichnete und am Boden zerstörte Gemeinde nötig hatte.

Wiederaufbau zu Beginn der 1950er Jahre

Wie durch ein Wunder blieben die im halb zerstörten Glockenstuhl hängenden Glocken "Glaube", "Liebe" und "Hoffnung" intakt. Mit vereinten Kräften räumten Gemeindeglieder aller Generationen, angefangen von den Konfirmanden, um Pfarrer Ludwig Schulz den Schutt aus der Kirche. Der Turm erhielt einen kleineren Helm, und das Innere wurde - unter Beibehaltung des ursprünglichen Raumkonzepts mit den umlaufenden Umporen - im nüchternen Nachkriegsstil wieder hergestellt. Im Fokus war dabei nicht nur die bauliche Fertigstellung, sondern vor allem auch ein geistliches Fundament für die aufzubauende Gemeinde. Die farbigen Kirchenfenster im Turmeingang, unterhalb der seitlichen Emporen und in der Apsis sowie die Ausmalungen im Apsisgewölbe mit ihren Bezügen zu Themen des Alten und des Neuen Testaments und den zentralen christlichen Feiertagen stellen dar, was für die aufzubauende Gemeinde leitende Botschaft ist. Zum 100-jährigen Jubiläum 1968 erhielt die Evangelische Kirche Weitmar den Namen "Matthäuskirche".

Die Matthäuskirche in der Gegenwart

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Die Matthäuskirche ist bewegtes Beispiel für Veränderung und Wandel - bewusste Gestaltung und Reaktion auf das, was nötig ist und wie im Kontext der jeweiligen Zeit Raum dafür ist, dass eine Gemeinde zusammenkommen kann, in einem Gottes-Haus und Menschen-Haus. 

Ein neuer Altar befindet sich seit der Umgestaltung zur Jahrtausendwende nun mitten in der Gemeinde, umgeben von Kirchenbänken im Karrée. In der Apsis steht das Taufbecken; und der Blick vom Taufbecken geht durch den geöffneten Turmeingang auf den Friedhof zum Hochkreuz, das Arbeiter des Bochumer Vereins in den 1960er Jahren aus Stahl hergestellt haben.

Die Matthäuskirche im Matthäuspark ist umgeben von Matthäushaus (Gemeindehaus), Matthäuskindertageseinrichtung und dem Matthäusfriedhof.

In der Matthäuskirche feiern wir die Gottesdienste im Bezirk Weitmar, ebenso finden in der Kirche die Trauerfeiern vor den Beisetzungen auf dem gegenüberliegenden Matthäusfriedhof statt.

Termine

Gottesdienste und andere Veranstaltungen in der Matthäuskirche und im Gemeindebezirk Weitmar

Veranstaltungen im Gemeindebezirk Weitmar

Adresse und Erreichbarkeit

 

Matthäuskirche Weitmar

Matthäusstraße 3, 44795 Bochum

 

Erreichbarkeit mit öffentlichen Verkehrsmitteln

308, 318 346, 365 Weitmar Mitte
von dort ca. 100 Meter Fußweg

344 Elsa-Brändström-Straße 
von dort ca. 300 Meter Fußweg zur Matthäusstraße

undefined Die Heimkerh des verlorenen Sohnes. Ausschnitt aus dem südlichen Fenster in der Apsis, Künstler: W. Thol